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Stimmen über Herbert Gruhl - zusammengestellt anl. seines 20. Todesjahres

Franz Alt, Fernsehjournalist und Autor

franz_solar_kopf“... und ich [Franz Alt] mag Menschen, die querdenkerisch sind, die auch quer handeln, sich prügeln lassen für ihre Position. Wir haben viel zu viele Angepasste. Zu denen, die sich haben prügeln lassen, gehörte auch Herbert Gruhl”.

(Franz Alt: Deutschland ist erneuerbar. Bad Schussenried: Gerhard Hess Verlag, 2007, S. 88; Bild: sonnenseite.com)

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Arnulf Baring, Historiker - in Erinnerung an die Vorstellung von Herbert Gruhls Spätwerk “Himmelfahrt ins Nichts. Der geplünderte Planet vor seinem Ende” 1992:

Arnulf_Baring“Kaum etwas hat mich [Arnulf Baring] in den letzten Jahren so tief und anhaltend bewegt wie ein Gespräch mit Herbert Gruhl kurz vor seinem Tode. (...) Man konnte sich seinem Ernst und seiner Melancholie kaum entziehen.”

(Arnulf Baring: Scheitert Deutschland? Abschied von unseren Wunschwelten. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1997; Bild: wikipedia.org)

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Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger, Ökonom, Ehrenvorsitzender der Herbert-Gruhl-Gesellschaft:

WaechterBinswanger“Zweifellos hat Gruhl mit seinem Bestseller ‘Ein Planet wird geplündert’ wesentlich dazu beigetragen, dass im deutschsprachigen Raum die Diskussion über Wachstum und Umwelt bedeutend intensiver geführt wurde als in anderen europäischen Ländern und dass ... doch die Umweltpolitik rasch große Fortschritte machte. Vor allem ist es ihm - wie ich aus vielen Gesprächen weiss - gelungen, mit seinem Buch begreiflich gemacht zu haben, dass die Umwelt ein Ganzes ist, dass es also nicht darum gehen kann, die Luft zu reinigen oder die Abfälle zu vermindern oder das Wasser zu säubern, oder den Lärm zu reduzieren oder die Atomenergie zu bekämpfen, dass es also auch nicht darum gehen kann, die Qualität eines Umweltmediums auf Kosten der Qualität eines anderen Umweltmediums zu verbessern, zum Beispiel die Abfallmenge zu reduzieren, indem man sie einfach verbrennt, und dadurch die Luft verschmutzt uns so weiter, dass also die verschiedenen umweltpolitischen Anliegen vernetzt werden müssen, damit sie sich gegenseitig nicht in die Quere kommen.”

(Hans Christoph Binswanger: Nachhaltiger Ressourcenhaushalt. In: Naturkonservativ heute. Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 2003, Essen: Verl. Die Blaue Eule, 2003, S. 107-116, hier S. 107; Hervorh. im Orig.; Bild: V. Kempf))

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Eugen Drewermann, Theologe

Drewermann2010“’Der Mensch als Satan dieser Erde’“, - auf diese Formel hat zu Recht H. Gruhl: Das irdische Gleichgewicht. Ökologie unseres Daseins, Düsseldorf 1982, S. 58-63 die ständige Expansion des Menschen gegen die Natur gebracht.”Herbert_Gruhl_im_Bundestag
(Eugen Drewermann, Der tödliche Fortschritt. Von der Zerstörung der Erde und des Menschen im Erbe des Christentums. 6., erw. u. aktual. Aufl. 1990, S. 208; Bild: wikipedia.org)

 

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MdL Erhard Eppler (SPD)

Eppler3“Bücher bewirken keinen Bewußtseinswandel. Aber sie können einen Wandel des Bewusstseins sprachfähig und damit politikfähig machen. Das ist wohl am besten Herbert Gruhl gelungen.”

(Erhard Eppler, Eine solidarische Leistungsgesellschaft. Epochenwechsel nach der Blamage der Marktradikalen, Bonn: Dietz Verlag, 2011, S. 16 f; Bild: wikipedia.org)

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MdB Dr. Peter Gauweiler (CSU)

gauweiler“Bei ihrer Gründung hielt ich die Grünen für einen Haufen depperter Chaoten. Eine Organisation der Kommunistischen K-Gruppen, die schon in der APO das große Wort geführt hatten.
Das mit dem Umweltschutz habe ich denen nie abgenommen. Andererseits stand gerade das Ökologische für profiliertere Gründer, zu denen auch der von mir sehr geschätzte Ex-CDU-Abgeordnete Herbert Gruhl zählte, im Vordergrund.”

(Dr. Peter Gauweiler: Vor 30 Jahren ging die grüne Sonne auf. In: B. Z. vom 9.1.2010; Bild: peter-gauweiler.de)
 

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 Enoch zu Guttenberg, Dirigent und Naturschützer

Guttenberg_2012-03-23“Vor 37 Jahren hatte ich die Auszeichnung und Ehre den BUND gemeinsam mit so großen Männern wie Bernhard Grzimek, Hubert Weinzierl und Herbert Gruhl zu gründen. Ich war in dieser Gründerzeit Vorstandsmitglied und Sprecher des wissenschaftlichen Beirats. Nun jedoch ging mir das Heimatgefühl in diesem meinem zweiten Vaterhaus verloren. Ich erkläre deshalb schweren Herzens und in tiefer Trauer hiermit meinen Austritt. Ich will nicht Teil sein und teilhaben, an all dem, was nunmehr ... an unkündbar scheinenden Prinzipien über Bord geworfen wurde. Ich kann und werde bei aller Sympathie für alternative Energien meine Hände nicht in eine ... Nähe zu jenem Geldfrass recken, das die Grundbelange des Nautur- und Denkmalschutzes, wie wir sie damals dachten, korrumpiert.”

(Enoch zu Guttenberg: Ich trete aus dem BUND aus. In: FAZ vom 13.05.2012; Bild: wikipedia.org)

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Robert Henrich, Diözesanpräses

“Würden wir die Bedrohung einer hoch entwickelten Welt allein unter dem Aspekt ’atomarer Bedrohung’ sehen, wäre das wohl zu kurz gegriffen. Überblicken wir die letzten 50 Jahre unseres Daseins, dann müssen wir einfach sagen: wir plündern den Planeten aus. Der damalige CDU-Abgeordnete Herbert Gruhl hat vor Jahrzehnten von diesem Ausplündern des Planeten gesprochen und ein Buch veröffentlicht. Seine Parteigenossen haben nicht begriffen und ihn madig gemacht. Schade. Prophetenschicksal. Man hätte ihn zur ‘Schlüsselfigur’ machen müssen. Momentan fragen wir uns wie so oft: Was tun? Nach dieser Weltkatastrophe von Fukushima? Oder einfach weiter so wie gehabt?”

(Robert Henrich, in: richtung, April 2011, S. 2, online unter http://www.kmw-freiburg.de/pdf/2011_04.pdf)

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Jochen Kirchhoff, Tiefenökologe

Kirchhoff_2010“Im neuzeitlichen Denken wird der Kosmos zur abstrakten Wüste; das abendländische Subjekt hat den Himmel leergefegt und alles abgeräumt, was störend war und sperrig-lebendig, was Heimstatt war und Eros und irdisch-sinnlicher Grund. Dieses Subjekt, das sich von allem Erdhaften/Natürlichen und Kosmischen befreit dünkt, ja, rundum erlöst wähnt (Folge der christlichen Erlösungsidee) schickt sich nun an zur Himmelfahrt ins Nichts (Herbert Gruhl). Es macht ‘nirgends Halt’ und kann auch nirgends haltmachen. Dazu ist es zu spät. Als es selbst, wie es ist, hat es längst alle Sicherungssysteme durchbrochen. [...] Gruhl war zum radikalen Pessimisten geworden, dem auch der letzte Rest von Hoffnung auf eine ökologische Wende abhanden gekommen war. Noch einmal Gruhl: ‘Im Zentrum der Darlegungen dieses Buches [Himmelfahrt ins Nichts] steht der folgenreichste und darum letzte große Irrtum des Menschen, nämlich daß diese gesamte Erde mit allem, was auf ihr ist, sein Spielzeug sei. Diesem Irrtum durfte er sich gefahrlos hingeben, solange er ein Traum blieb. Seit er aber mit technischen Mitteln seine wirren Träume materialisieren kann, werden sie tödlich.’ Was haben wir dem - ernsthaft, wahrhaftig, authentisch (also nicht bloß polemisch) - entgegenzusetzen? Viele, vielleicht gar die meisten, wissen sehr genau, daß wir dem wenig oder gar nichts Substantielles entgegensetzen können.”Herbert_Gruhl_im_Bundestag
(Jochen Kirchhoff: Was die Erde will. Mensch, Kosmos, Tiefenökologie. Bergisch Gladbach: Lübbe, 1998. S. 25, 28 f; Bild: wikipedia.org)

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Christa Meves, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

mevesragg“Man wagte es nicht, diesen neuen, existenziell nötigen Ansatz [von Herbert Gruhl und seiner Grünen Aktion Zukunft (GAZ)] zu stützen. Daß man ihn [Herbert Gruhl] im Regen stehen ließ, wird eines Tages auf dem Blatt unentschuldbarer ... Versäumnisse der deutschen Geschichte zu finden sein.”

(Christa Meves: Ad memoriam Herbert Gruhl. In: Naturkonservativ heute. Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 2003, Essen: Verlag Die Blaue Eule, 2003, S. 99 f, hier S. 100; Bild: Cover Meves/Ragg, “Es ist noch nicht zu spät”, Gerhard-Hess-Verlag)

 

Hans-Hinrich Nolte, Historiker

„Umweltgeschichte ist eine neue Teildisziplin an der Universität, zu deren Entstehung Herbert Gruhl fraglos beigetragen hat, indem er die Öffentlichkeit in Deutschland auf dieses Thema hingewiesen hat. Die besondere Schwierigkeit dieser neuen Teildisziplin liegt auf der Hand – da sie von Anfang an interdisziplinär angelegt ist, über die Grenzen der Fächer hinausgeht, bedarf es eigentlich eines doppelten Studiums, das heißt dass Wissenschaftler, die sich dieser Disziplin widmen, auch Biologen, Geographen etc. sein sollten. Das organisatorische Problem einer neuen Disziplin ist nicht, dass man nicht gute Forschungsprogramme erdenken und finanzieren kann, sondern, dass in Zeiten leerer Kassen ihre Institutionalisierung schwer fällt." (Prof. Dr. Hans-Heinrich Nolte, Die Plünderung des Planeten als weltgeschichtliches Ereignis, in: Naturkonservativ heute 2006)

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Peter Sloterdijk, Philosoph

Peter-Sloterdijk“Erhaltungswerte bekommen plötzlich positive Vorzeichen. Das muss natürlich auch Auswirkungen auf die Bedeutung des Konservativen haben, des Bewahrens also. Konservativ sind danach viele, wie Sloterdijk mit einer gewissen Neigung zum Anekdotischen anschaulich machte: Wer eine Bibliothek oder einen Weinkeller sein Eigen nennt, wird sich konservativ nennen müssen, entstehen doch beide Einrichtungen erst durch das Bewahren. (...) Auf der Zielgeraden machte er auch mit der geistigen Nachhaltigkeit ernst und erinnerte an vier bereits verstorbene Pioniere eines solchen Innehaltens: an den Christdemokraten Herbert Gruhl, den Autor Carl Améry, an den DDR-Dissidenten Rudolf Bahro sowie seinen Freund Hermann Scheer. Sie hätten den Resonanzboden geschaffen fürs wunderliche Jahr [2011 mit Atomausstieg etc.]. Punkt – und flugs entschwand der winkende Denker aus einem wunderlich mäßig gefüllten Hörsaal.”

(Bericht über einen Vortrag Sloterdijks an der Universität Düsseldorf, in: Rheinische Post vom 23.07.2011; Bild: wikipedia.org)

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Prof. Dr. Franz Vonessen, Philosoph

“Drei Parteien dürfen sich ‘rühmen’, ihn [Gruhl] vorzeitig erschöpft und zu seinem frühen Tod beigetragen zu haben. Trotzdem hat er nicht vergeblich gekämpft; zwar schob man ihn nicht nur persönlich beiseite, sondern ließ ihn fallen, aber die Tatsachen, erst einmal klar ausgesprochen, waren nicht mehr völlig aus dem politischen Gesichtsfeld zu schielen.”

(Prof. Dr. Franz Vonessen: Ein Wachstum zum Tode. In: Herbert Gruhl - Unter den Karawanen der Blinden. Bern, Frankfurt a.M. u.a.: Peter Lang, 2005, S. 13-21, hier S. 14.)

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Prof. Dr. Paul-Ludwig Weinacht, Politikwissenschaftler

“Wenn weitsichtige politische Führer die Pflege des Konservatismus jenseits von Interessenwahrung nicht völlig abgeschrieben haben, sollten sie ... innerhalb der Unionsparteien erwägen, ihr einstiges Mitglied Herbert Gruhl auf einem Parteitag postum in die Galerie ihrer Programm-Initiatoren aufzunehmen.”

(Prof. Dr. Paul-Ludwig Weinacht in: FAZ vom 20.10.2005)

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Manfred Wöhlcke, Soziologe

“Von den zeitgenössischen Autoren, die sich mit der sozialen Entropie beschäftigt haben, ohne diesen Begriff zu verwenden, möchte ich ... erwähnen, ... Hoimar von Ditfurth und Herbert Gruhl. Beide kommen zu demselben Ergebnis, daß nämlich in absehbarer Zeit alles zusammenbricht.”

(Manfred Wöhlcke: Soziale Entropie. Die Zivilisation und der Weg allen Fleisches. Stuttgart: dtv, 1996, S. 22)

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Gottfried Zirnstein, Historiker

“Der seit 1969 als Abgeordneter der CDU im deutschen Bundestag wirkende Herbert Gruhl (1921-1993) ... sorgte mit dem 1975 erschienenen Buch ‘Ein Planet wird geplündert - Die Schreckensbilanz unserer Politik’ für Aufsehen. In Deutschland haben wohl nur wenige Bücher die Öffentlichkeit so wachgerüttelt wie dieses. Da Gruhl ‘die erschreckende Einsicht’ gewann, ‘an einer Politik beteiligt zu sein, die unsere Lebensgrundlage um so geschwinder zerstören wird, je erfolgreicher sie ist’, verließ er die CDU, um die grüne Partei mitzubegründen. Aber nach einem Dreiviertel Jahr zog er sich enttäuscht von den Ökolinken auch hier zurück .... Umweltfragen kennen sicher keine Parteigrenzen und die engagierten Umweltschützer können sich kaum nur unter den Fittichen einer Partei entfalten. H. Gruhl kam in den folgenden Jahren zu der sicherlich nicht unberechtigten Schlußfolgerung, daß sich die Situation der Umwelt weiter verschlimmerte. Im Jahre 1992 beschrieb er daher den technischen Aufstieg der Menschheit als eine ‘Himmelfahrt ins Nichts’.”

(Gottfried Zirnstein: Ökologie und Umwelt in der Geschichte. Marburg: Metropolis 1994, S. 286)              

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Lesen Sie auch den Zeitzeugenbeitrag von Dr. Götz Fenske hier im Archiv: “Begegnungen mit Carl Amery und Herbert Gruhl