Herbert Gruhl, der die Dinge noch direkt ansprach

Das Jahr 2018 ist zugleich das Jahr, in dem am 26. Juni der 25. Todestag von Herbert Gruhl sein wird.
Zu diesem Anlaß bis auf weiteres ein paar einstimmende Zeilen eines Dichters, Christian Engelken, verbunden mit freundlichem Dank für die Genehmigung zur Veröffentlichung:

„Das Verhältnis Mensch-Natur, von dem das Klima ja nur ein Teil ist (hier findet derzeit eine Engführung statt, gewichtigste Themen wie Artensterben, Ressourcenerschöpfung u. a. sind in den Medien kaum präsent) treibt mich weiter um. Ich weiß nicht, was Herbert Gruhl heute sagen würde. Himmelfahrt ins Nichts? Herbert Gruhl, der die Dinge noch direkt ansprach weiterlesen

Hans Christoph Binswanger (1929 – 2018)

Hans Christoph Binswanger ist am 18. Januar 2018 verstorben. Die Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. verliert damit ihren langjährigen Ehrenvorsitzenden, vor allem aber einen beeindruckenden Menschen von außerordentlicher geistiger Souveränität und menschlicher Wärme.

Der Schweizer Ökonom Binswanger war ein Vorreiter einer Theorie des wirtschaftlichen Wachstums, in der „Fortschritt und Raubbau“ als komplementäre Erscheinungen problematisiert werden. Bei der Analyse blieb der ehemalige Kommunalpolitiker Binswanger nicht stehen, er fragte immer wieder auch in praktischer Absicht nach der Möglichkeit von Optimierungen. Hans Christoph Binswanger (1929 – 2018) weiterlesen

Eine besinnliche Weihnachtszeit!

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Also bekommen die Liebsten, die eigenen Kinder vor allem, die sich darüber immer so herrlich freuen, Geschenke. Der Psychoanalytiker Erich Fromm (geb. 1900, gest. 1980) strich 1956 in „Die Kunst des Liebens“ heraus, ein Geschenk kann ein kurzer Stimmungsaufheller sein, wenn es an wahrer Liebe mangelt. Im Idealfall sollte ein Geschenk Ausdruck von Respekt und Wertschätzung sein. Die Beschleunigung der Zeit lässt Momente der Empathie und Innigkeit hingegen oft beiläufig werden. Eine besinnliche Zeit tut da Not, um sich auf das zu besinnen, worauf es ankommt. Eine besinnliche Weihnachtszeit! weiterlesen

Günther Anders, Denker der atomaren Drohung

Auf dem Schreibtisch des US-Präsidenten Donald Trump befindet sich ein roter Knopf, den er Journalisten mit der Bemerkung zeigte „alle werden nervös“, wenn er zu nahe an ihn komme. Dies ließ die Befürchtung aufkommen, er könne damit womöglich Atomraketen starten. Aber Trump bestellt damit nur Getränke. Ob das der Philosoph der Anti-Atomtod-Bewegung, Günther Anders, lustig fände, der einmal meinte, alles sei lustig, wenn es nicht katastrophal ist, ist schwer zu beantworten. Die Möglichkeit einer atomaren Totalkatastrophe war das Kernthema des am 17. Dezember vor 25 Jahren in Wien verstorbenen Schriftstellers. Günther Anders, Denker der atomaren Drohung weiterlesen

Zeitdiagnosen

Zeidiagnosen, die auf der Herbsttagung der Herbert-Gruhl-Gesellschaft vom 8. bis 10. Dezember in Freiburg thematisiert wurden, sollten gehaltvoll sein und die Grundlage für Entscheidungen abgeben, wofür die Politik bereit ist Geld auszugeben und welche Gesetze sie erlässt. Das gilt auch für die ökologische Frage, die bei Herbert Gruhl in den 1970er Jahren die „Plünderung des Planeten“ diagnostizieren ließ – gewissermaßen jenseits von links und rechts. Später wurde diese Problematik von der Klimapolitik überlagert, aber die Plünderung des Planeten geht weiter. Zeitdiagnosen weiterlesen

Umweltschutz und Demokratie werden entkernt

Holger Strohm (rechts) bei einem Treffen im Südschwarzwald mit dem HGG-Vorsitzenden Volker Kempf.

Holger Strohm, ein Mann, der 1973 mit „Friedlich in die Katastrophe“ der Anti-AKW-Bewegung eine umfangreiche Argumentationsgrundlage lieferte und bei der Bunten Liste Hamburg in lila Latzhose mitmischte, ist nach wie vor mit Sinn für Katastrophen ausgestattet. Die Asylpolitik der offenen Grenzen machte Strohm schon fassungslos, mussten damit doch auch Kriminelle und Terroristen leichtes Spiel haben. Zum Rundumschlag holt Strohm mit seinem neuesten Buch „Demokratie in Gefahr“ aus, kaum ein Politikfeld, das nicht von politischer Unfähigkeit zeugt oder gar von niederen Beweggründen. Umweltschutz und Demokratie werden entkernt weiterlesen

Zeitdiagnosen – Herbsttagung zu Rolf Peter Sieferle und Ralf Dahrendorf

Politik beruht auf Zeitdiagnosen. Eine Zeitdiagnose die irrt, die wird auch falsche politische Handlungen mit sich bringen. Krankt die Gegenwart an einer Popularität mangelhafter Zeitdiagnosen? Können Klassiker weiterhelfen?

Die Zeitdiagnosen von Rolf Peter Sieferle und Ralf Dahrendorf können Klassikerstatus beanspruchen und nach Stärken und Schwächen überprüft werden. Auf der Herbsttagung der Herbert-Gruhl-Gesellschaft vom 8. bis 10. Dezember 2017 in Freiburg wird es genau darum gehen. Zeitdiagnosen – Herbsttagung zu Rolf Peter Sieferle und Ralf Dahrendorf weiterlesen

Helmut Kohl, eine prägende Gestalt für Deutschland

22. Bundesparteitag der CDU in Hamburg
(Helmut Kohl)
18.-20.11.1973 (Wikipedia)

Helmut Kohl (3.4.1930-16.6.2017) war eine der prägenden Gestalten der Bundesrepublik Deutschland. Dafür spricht allein schon die lange Zeit der Bundeskanzlerschaft von 1982 bis 1998. Begonnen hatte  Bundeskanzler Kohl mit einem großen Versprechen, der geistig moralischen Wende. Es sollte eine Wende sein, weg vom 68er-Marsch durch die Institutionen. Doch Kohl war kein Mann des Geistes, sondern ein Machtmensch. Der Anspruch einer geistig-moralischen Wende blieb uneingelöst. Helmut Kohl, eine prägende Gestalt für Deutschland weiterlesen

Zivilisierte Länder müßten auf den Bevölkerungsdruck reagieren

Der Historiker und Soziologe Rolf Peter Sieferle (1949-2016) schreibt in seinem letzten Buch von der zu hohen Bevölkerungszahl weltweit, die dabei sei auf 11 bis 12 Milliarden zu wachsen. Nachhaltig wären vielleicht 3 Milliarden. In den zivilisierten Ländern wachse die Bevölkerung von sich aus zwar nicht mehr, sie gerieten aber unter Zuwanderungsdruck. Diesem Druck nicht nachzugeben, darauf komme es an. Ein ökologisch nachteiliger Effekt würde eintreten, sowohl für die Zuwanderungsländer selbst als auch absolut. Der ökologische Fußabdruck würde durch Wanderungsbewegungen wachsen und in den Zeilländern sich besonders auswirken. „Auch unter dem Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit ist die weitere Auffüllung ohnehin schon dichtbevölkerter Gebiete mit Immigranten ein sinnloser Akt.“ Sieferle sieht durch Masseneinwanderung soziale Konflikte aufziehen, sobald der Sozialstaat ihnen nicht mehr eine Versorgung garantieren könne. Und Massenzuwanderung und Sozialstaatlichkeit schließen einander aus. Der „Untergang Europas“* sei durchaus möglich. Sieferle bestätigt damit in der Sache Herbert Gruhl, der sich zuletzt in „Himmelfahrt ins Nichts“ (1993) sehr eingehend ähnlich äußerte.

  • Rolf-Peter Sieferle: Das Migrationsproblem. Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung. 2017, hier S. 41.

Weniger wäre mehr

Seit dem 18. Jahrhundert wuchs die Weltbevölkerung exponentiell – aus 700 Millionen wurden inzwischen über sieben Milliarden. Doch während der Anteil der Asiaten mit 60 Prozent konstant blieb, schrumpfte Europa anteilmäßig von einem Viertel auf ein Zehntel. Amerika verachtfachte sich. Doch je geringer die Geburtenrate bei uns wurde, desto mehr stieg die ökonomische Produktivität pro Kopf an. Auch die Ökosysteme geraten durch weniger Menschen weniger unter Druck, denn diese verursachen weniger Verkehr und Lärm, brauchen weniger Fläche, Ressourcen- und Energie. „Weniger sind mehr: Warum der Geburtenrückgang ein Glücksfall für unsere Gesellschaft ist“, hieß daher das letzte Buch des 2007 verstorbenen deutschen Soziologen Karl Otto Hondrich. Weniger wäre mehr weiterlesen