Zeitdiagnosen – Herbsttagung zu Rolf Peter Sieferle und Ralf Dahrendorf

Politik beruht auf Zeitdiagnosen. Eine Zeitdiagnose die irrt, die wird auch falsche politische Handlungen mit sich bringen. Krankt die Gegenwart an einer Popularität mangelhafter Zeitdiagnosen? Können Klassiker weiterhelfen?

Die Zeitdiagnosen von Rolf Peter Sieferle und Ralf Dahrendorf können Klassikerstatus beanspruchen und nach Stärken und Schwächen überprüft werden. Auf der Herbsttagung der Herbert-Gruhl-Gesellschaft vom 8. bis 10. Dezember 2017 in Freiburg wird es genau darum gehen. Zeitdiagnosen – Herbsttagung zu Rolf Peter Sieferle und Ralf Dahrendorf weiterlesen

Helmut Kohl, eine prägende Gestalt für Deutschland

22. Bundesparteitag der CDU in Hamburg
(Helmut Kohl)
18.-20.11.1973 (Wikipedia)

Helmut Kohl (3.4.1930-16.6.2017) war eine der prägenden Gestalten der Bundesrepublik Deutschland. Dafür spricht allein schon die lange Zeit der Bundeskanzlerschaft von 1982 bis 1998. Begonnen hatte  Bundeskanzler Kohl mit einem großen Versprechen, der geistig moralischen Wende. Es sollte eine Wende sein, weg vom 68er-Marsch durch die Institutionen. Doch Kohl war kein Mann des Geistes, sondern ein Machtmensch. Der Anspruch einer geistig-moralischen Wende blieb uneingelöst. Helmut Kohl, eine prägende Gestalt für Deutschland weiterlesen

Zivilisierte Länder müßten auf den Bevölkerungsdruck reagieren

Der Historiker und Soziologe Rolf Peter Sieferle (1949-2016) schreibt in seinem letzten Buch von der zu hohen Bevölkerungszahl weltweit, die dabei sei auf 11 bis 12 Milliarden zu wachsen. Nachhaltig wären vielleicht 3 Milliarden. In den zivilisierten Ländern wachse die Bevölkerung von sich aus zwar nicht mehr, sie gerieten aber unter Zuwanderungsdruck. Diesem Druck nicht nachzugeben, darauf komme es an. Ein ökologisch nachteiliger Effekt würde eintreten, sowohl für die Zuwanderungsländer selbst als auch absolut. Der ökologische Fußabdruck würde durch Wanderungsbewegungen wachsen und in den Zeilländern sich besonders auswirken. „Auch unter dem Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit ist die weitere Auffüllung ohnehin schon dichtbevölkerter Gebiete mit Immigranten ein sinnloser Akt.“ Sieferle sieht durch Masseneinwanderung soziale Konflikte aufziehen, sobald der Sozialstaat ihnen nicht mehr eine Versorgung garantieren könne. Und Massenzuwanderung und Sozialstaatlichkeit schließen einander aus. Der „Untergang Europas“* sei durchaus möglich. Sieferle bestätigt damit in der Sache Herbert Gruhl, der sich zuletzt in „Himmelfahrt ins Nichts“ (1993) sehr eingehend ähnlich äußerte.

  • Rolf-Peter Sieferle: Das Migrationsproblem. Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung. 2017, hier S. 41.

Weniger wäre mehr

Seit dem 18. Jahrhundert wuchs die Weltbevölkerung exponentiell – aus 700 Millionen wurden inzwischen über sieben Milliarden. Doch während der Anteil der Asiaten mit 60 Prozent konstant blieb, schrumpfte Europa anteilmäßig von einem Viertel auf ein Zehntel. Amerika verachtfachte sich. Doch je geringer die Geburtenrate bei uns wurde, desto mehr stieg die ökonomische Produktivität pro Kopf an. Auch die Ökosysteme geraten durch weniger Menschen weniger unter Druck, denn diese verursachen weniger Verkehr und Lärm, brauchen weniger Fläche, Ressourcen- und Energie. „Weniger sind mehr: Warum der Geburtenrückgang ein Glücksfall für unsere Gesellschaft ist“, hieß daher das letzte Buch des 2007 verstorbenen deutschen Soziologen Karl Otto Hondrich. Weniger wäre mehr weiterlesen

Unabhängiger Ökologe bei der französischen Präsidentschaftswahl

Antoine Waechter (Bildmitte) mit Heinz-Siegfried Strelow (links) und Prof. Hans Ch. Binswanger nach der Verleihung des Herbert-Gruhl-Preises 2007 in Breisach.

Antoine Waechter, Träger des Herbert-Gruhl-Preises, will zur Präsidentschaftswahl in Frankreich antreten. Waechter lebt im Elsass und führt die Mouvement Ecologiste Independet (MEI) an, die eine Alternative zu der auch in Frankreich linksorientierten Partei der Grünen darstellt. 1988 hatte Waechter schon einmal kandidiert und kam auf 4 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang. Gegenüber der Badischen Zeitung vom 15. März erklärt Waechter, es gehe ihm darum, ökologisches Denken in den Wahlkampf zu tragen, auch wenn er nicht viele Prozente werde erreichen können. Eine regionalistische Orientierung ist dem Elsässer Waechter im zentralistisch organisierten Frankreich zudem eigen. Viel Erfolg!

 

 

Ein Ökonom auf der Suche nach Wirklichkeit

© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 05/17 / 27. Januar 2017

Prof. Dr. Hans Ch. Binswanger.

[Der HGG-Ehrenvorsitzende] Hans Christoph Binswanger gilt als „Vater“ einer ökologischen Steuerreform und ist als Doktorvater des langjährigen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann einem breiten Publikum bekannt. In Fachkreisen ist der Emeritus für Volkswirtschaftslehre der Universität St. Gallen aber als Wachstumsskeptiker anerkannt. Bereits vor 50 Jahren erkannte der Schweizer Ökonom, daß die neoklassische Theorie mit ihrem Rekurs auf die Faktoren Arbeit, Kapital und technischen Fortschritt zur Erklärung von Wirtschaftswachstum zu kurz greift. Es fehlt der Naturverbrauch als Schlüsselgröße. Ein Ökonom auf der Suche nach Wirklichkeit weiterlesen

Edgar Guhde (1936-2017)

Dipl.-Pol. Edgar Guhde (1936 bis 14. Feb. 2017) ist einigen als langjähriger intellektueller und politischer Wegbegleiter Herbert Gruhls in den 1970er und 1980er Jahren bekannt. 1984 legte Edgar Guhde ein Lehrbuch „Natur und Gesellschaft“ vor, das in ökologisches Denken und Handeln einführt, und dem Gruhl ein ausführliches Vorwort beisteuerte. Im Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft „Naturkonservativ“ , das  2001 bis 2008 erschien, sind zwei von drei Beiträgen Guhdes dem Themenkomplex Tierrechte zuzuordnen: „Rechtsstaatliche Offensive Tierschutz“ (2002) und „Halbzeitbilanz rot-grüner Tierschutzpolitik“ (2005) – ein 2001 publizierte Jahrbuchbeitrag Guhdes gilt der Medienmanipulation am Beispiel des Fernsehens. Die Thematik Tierrechte rückte bei Guhde immer sichtbarer in den Vordergrund, was seine beeindruckende autobiographische Skizze auch nahe legt, die hier an Stelle eines Nachrufes wiedergegeben sei, um ihn selbst zu Wort kommen zu lassen (unter:  https://wolodja51.wordpress.com/2017/03/01/zum-tode-von-edgar-guhde-am-14-02-2017-in-duesseldorf/comment-page-1/#comment-5862)  

Tag des Artenschutzes

Zum Tag des Artenschutzes am 3. März 2017 gilt es darüber nachzudenken, wo Menschen Naturräume und damit Arten verdrängen. Global ist es die Weltbevölkerung in Verbindung mit einem ressourcenintensiven Lebensstil, was der Natur zusetzt. In Südwestdeutschland gibt es durch Abwanderung aus den neuen Bundesländern schon länger Zuwächse, durch grenzüberschreitende Zuwanderung  mittlerweile aber auch wieder in ganz Deutschland.

Um im wachstumsträchtigen Südwesten zu bleiben, so heißt es dort für Deutschlands angebliche „Öko-Hauptstadt“ Freiburg im Breisgau am 3. März in der regionalen Presse: die Stadt baue einen neuen Stadtteil Dietenbach für 12.500 Menschen, auf grüner Wiese versteht sich. Auch Gemeinden und ihre Bürgermeister im Umland äußern sich immer wieder stolz, wenn die Einwohnerzahl steigt. Aber lebenswerter wird eine Stadt durch quantitatives Wachstum nicht, artenfreundlicher auch nicht. Nachverdichtung, Verkehrszuwachs und schrumpfende Naherholungsräume sind die Regel. Weniger ist manchmal mehr. http://www.tag-des-artenschutzes.de/

(V. Kempf)

Die Weltbevölkerung wächst und stößt an Grenzen

Ein Blick auf die Erde von Apollo 17 Anfang der 1970er Jahre. (Quelle: wikipedia)

Mit der bemannten Welraumfahrt wurde um 1970 ein „Blick vom Mond“ (Günther Anders) möglich, der die Begrenzheit des Planeten Erde augenfällig machte. Der Club of Rome untermauerte das wenig später mit Rechenmodellen zu den „Grenzen des Wachstums“ von Wirtschaft und Bevölkerung. Der damalige CDU-Umweltpolitiker Herbert Gruhl forderte 1975 in „Ein Planet wird geplündert“ eine „planetarische Wende“, das heißt, von den Grenzen des Planeten Erde her zu denken und zu handeln, also maßhalten. Die Weltbevölkerung wächst und stößt an Grenzen weiterlesen

Das Jahr 2016 neigt sich mit einer Klimakonferenz als Farce dem Ende

Nach dem die Klimakonferenz im Jahr 2015 in Paris ergab, dass die versammelten Vertreter der Staaten  wieder einmal einräumten, es gäbe ein gravierendes Problem durch die Erhöhung der Temperatur auf der Welt infolge der vom Menschen verursachten Emissionen von klimawirksamen Spurengasen – hauptsächlich CO2 -, wolle man nun aber die einzelnen Länder in Marrakesch im Herbst 2016 Pläne vorlegen lassen, was sie jeweils zur Abwendung einer globalen Klimakatastrophe auf freiwilliger Basis beizutragen beabsichtigen. Das Jahr 2016 neigt sich mit einer Klimakonferenz als Farce dem Ende weiterlesen