Zu Gast in Hannover

Die Würdigung der Landschaft
Einführung von Volker Kempf

Einführend erklärte Volker Kempf, dass das umweltpolitische Engagement Gruhls in der CDU begann und dort ein gewisses Maß an Patriotismus „normal“ gewesen sei. Wer sich dann in den formierenden Grünen einbrachte, bewegte sich in einem anderen Umfeld. Gruhl konnte hier keine politische Heimat finden.

Seit Gruhl 1993 verstarb, habe sich auch in ökologischen Fragen einiges verändert. Kempf griff diesbezüglich Gruhls Festrede zum Tag der Landschaft von 1978 mit dem Titel „Ende der Landschaft – Ende der Mensch­lichkeit“ auf. Darin habe Gruhl ausgeführt, dass nicht nur Rohstoffe knappe Ressourcen seien, sondern auch ansprechende Landschaften mit viel Natur. Nach Gruhls Auffassung habe die „Unwirtlichkeit der Städte“ (Alexander Mitscherlich) die Landschaften als Erholungsraum nur umso wichtiger werden lassen, was Straßen und andere Siedlungstätigkeiten nach sich zöge, also die Landschaft selbst belaste. Es sei vor allem die „Gigantomanie“, die der Landschaft zu schaffen mache. Kempf erinnerte dies­be­züglich an den sozialen Wohnungsbau der 1970er Jahre mit riesigen Wohn­an­lagen. Auf die Windindustrie, die heute mit gigantischen Anlagen mit Höhen von 250 Metern arbeite, habe Gruhl in seinem Vortrag über die Landschaft nicht eingehen können, da das noch nicht die Zeit dafür war. Aber der negative Einfluss auf die Ressource intakte Landschaft sei unübersehbar. Jeder könne sich ein eigenes Urteil erlauben, ob das höhere Ziel Klimaschutz derlei Eingriffe in die Landschaft rechtfertige.  

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