Zeitdiagnosen

Zeidiagnosen, die auf der Herbsttagung der Herbert-Gruhl-Gesellschaft vom 8. bis 10. Dezember in Freiburg thematisiert wurden, sollten gehaltvoll sein und die Grundlage für Entscheidungen abgeben, wofür die Politik bereit ist Geld auszugeben und welche Gesetze sie erlässt. Das gilt auch für die ökologische Frage, die bei Herbert Gruhl in den 1970er Jahren die „Plünderung des Planeten“ diagnostizieren ließ – gewissermaßen jenseits von links und rechts. Später wurde diese Problematik von der Klimapolitik überlagert, aber die Plünderung des Planeten geht weiter.

Der ehemalige Landtagsabgeordnete und Ex-Grüne Helgo Bran ließ keinen Zweifel: am Kliawandel lasse sich mehr Geld verdienen. Er zählt sich selbst zu den Skeptikern eines menschengemachten Klimawandels durch Kohlendioxydemissionen.

Ralf Dahrendorf  wurde sodann behandelt, zunächst vom Freiburger Stadtrat Nikolaus von Gayling durch lebendige Schilderungen persönlicher Begegnungen. Dahrendorf suchte das Gespräch auch mit Rudi Dutschke – umgekehrt übrigens Dutschke einst auch mit Herbert Gruhl.

Prof. Jost Bauch vertiefte in seinem Vortrag, Dahrendorf sei nicht bei Sachgesetzlichkeiten stehen geblieben, sondern versuchte Demokratie lebendig zu halten. Genau aber diese Notwendigkeit zur Demokratie ließ Dahrendorf an der EU und ihrem angestrebten Verfassungsvertrag zweifeln und deutliche Kritik üben – selbst war Dahrendorf einmal EU-Kommissar. Demokratie und Nation gehören zusammen, das habe auch Dahrendorf erkannt, so Bauch.

Heinz-Siegfried Strelow skizzierteunter besonderer Berücksichtigung von Sieferles Buch „Fortschrittsfeinde“ dessen Darstellungen über das Naturverständnis von der Frühzeit über das Zeitalter der Romantik und Opposition gegen die kapitalistische „Gründerzeit“, um darzustellen, daß ökologische Positionen kein linkes, sondern genuin stammes- und heimatverbundenes, wertkonservatives Gedankengut sind. Das lasse sich bei Autoren wie Wilhelm Heinrich Riehl, Ernst Rudorff und auch Herbert Gruhl
nachweisen.

Selbst war Sieferle allerdings kein „Fortschrittsfeind“, sondern der Überzeugung, dass ein rohstoffarmes Land auf „Fortschritt“ der Technik besonders setzen müsse, wie Volker Kempf im abschließenden Vortrag erklärte. Vor allem die Verknüpfung der ökologischen Frage mit der Zuwanderungsfrage ließen Sieferle und Gruhl sehr ähnlich argumentieren.

Eine Besichtigung Freiburgs rundete die Tagung ab, sie sollte die Auswirkungen des Wachstums der Einwohnerzahl der Stadt deutlich machen, wie sie sich durch Verdichtung und Bebauung der Randlagen zeigt.

(KE)

 

 

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