Vermischtes

Wort des Jahres: „Geistige Nachhaltigkeit“ – und „Ökologie des Menschen”

 

Geistige Nachhaltigkeit Wort des Jahres 2011/2012, das könnte, aus Sicht der Herbert-Gruhl-Gesellschaft betrachtet, die „geistige Nachhaltigkeit“ sein. Mit “geistiger Nachhaltigkeit” hatte Peter Sloterdijk – gem. Bericht der Rheinischen Post vom 23. Juli 2011 – auf einem Vortrag an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ernst gemacht. Er nannte diesbezüglich „den Christdemokraten Herbert Gruhl, den Autor Carl Amery, den DDR-Dissidenten Rudolf Bahro sowie seinen Freund Hermann Scheer“. Denn diese Persönlichkeiten hätten den „Resonanzboden geschaffen fürs wunderliche Jahr [2011]“, in dem es zum Atomausstieg gekommen sei. Sloterdijk vermochte für ein bedeutendes Ereignis in 2011 Leistungen anderer, die teilweise weit zurückliegen, anerkennend zu bedenken, ohne ins Lagerdenken zu verfallen. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil, zu oft wird gerade in Zeiten des Internets die Besserwisserei gepflegt, die auch viel einfacher ist, als jemandes Gedanken nachzuvollziehen, um sich mit ihnen ernsthaft auseinanderzusetzen.

 

Ökologie des Menschen Zu einer ernsthaften geistigen Auseinandersetzung hatte 2011 Papst Benedikt XVI. in seiner vor dem Deutschen Bundestag gehaltenen Rede vom 22. September eingeladen. Er ging auf das Aufkommen der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik der 1970er Jahre ein und hielt sie für berechtigt. Die Bundestagsabgeordneten der Grünen zollten auffällig starken Beifall. Benedikt XVI. fügte gleich hinzu, nicht einer bestimmten Partei das Wort reden zu wollen und zeigte auf, was bei denen, die viel von Ökologie reden, oft vergessen werde, die “Ökologie des Menschen”. Er sagte: „Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten. Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt noch ansprechen, der nach wie vor weitgehend ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muß und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so, und nur so, vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“ Das sind Einsichten, die mit der Philosophischen Anthropologie von Max Scheler, Helmuth Plessner und Arnold Gehlen durchaus konform gehen. Es gibt sogar einen „grünen“ Strang, der diese Art von Freiheit betont, aber in den Machtkämpfen bei den Grünen gekappt wurde: „Das grüne Manifest“ der Grünen Aktion Zukunft (GAZ) aus dem Jahre 1978. (Siehe hierzu auch des Verfassers Gastbeitrag unter: http://www.auf-partei.de/home/news-storage/newsdetails/article/die-landesregierung-setzt-in-der-krippenpolitik-wegmarken-in-die-falsche-richtung.html)

(Volker Kempf, Vors. der HGG, am 13. Januar.2012)

Zum Presseartikel „Sloterdijk lobt geistige Nachhaltigkeit

Die Papst-Rede: (http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/geschichte/gastredner/benedict/rede.html)

Das grüne Manifest (Kurzfassung)