Bäuerliche Landwirtschaft für das Überleben

Von Tilmann Zigler

„Um die 20 große Entwicklungen … gefährden unser Leben auf diesem Planeten – und zwar schon jede einzelne für sich allein. Gemeinsam werden sie sich aber schnell gegenseitig verstärken und damit eskalieren. Dafür sorgen die vielen Vernetzungen der planetarischen Zivilisation von heute. Alle Gefahren resultieren aus der genialen Erfindungsgabe des europäischen Menschen und lösen kurzfristig Katastrophen aus, wie sie von der Natur nie erzeugt wurden und auch nie von ihr verkraftet werden können. Es sind Veränderungen, wie sie die Natur nur in Zehntausenden von Jahren vollbringt, die aber der technische Mensch jetzt in einem Jahr schafft. Bei seinem Tun hat er die Folgen nie bedacht, und ihm fehlt auch die Gabe, diese vorauszusehen. Die Vorausberechnung gelingt jeweils nur für die einzelne Ursache und deren Folge, nicht für das Zusammenwirken vieler Ereignisse.“*

Die Vernachlässigung der Landwirtschaft ist nur einer von zahlreichen Faktoren, die das Überleben auf der Erde im 21. Jahrhundert zu einem Vabanquespiel geraten lassen. Die vom Menschen in Gang gesetzten Entwicklungen haben sich verselbständigt und das natürliche Gleichgewicht auf der Erde zerstört. Seit dem Erscheinen von Herbert Gruhls letztem Buch „Himmelfahrt ins Nichts“ im Jahre 1992 hat sich nichts geändert, im Gegenteil: die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen wird beschleunigt fortgesetzt. Zu den von Gruhl benannten eskalierenden Entwicklungen gehörte auch damals schon die Erderwärmung.

„Unaufhaltsam rollt die Maschinerie. Alle Völker der Erde befinden sich weiter auf dem Wachstumstrip.“*

Gruhl sah die Ursache des Verhängnisses in der raubtierhaften Natur des Menschen und der explosionsartigen Vermehrung unserer Art in kürzester Zeit. Über Jahrtausende hatte die Natur den Menschen gezwungen, sich mit dem Lebensnotwendigen zu begnügen. Technischer Fortschritt und Industrialisierung haben es ermöglicht, die Ketten der alten, bäuerlichen Lebensweise zu sprengen. Das entfesselte Raubtier glaubt seither, sich die Natur unterwerfen zu können.  Anmaßung und Übermut werden der Menschheit nun zum Verhängnis: Das in der Evolution bisher so erfolgreiche Raubtierverhalten wird sich im Laufe von ein oder zwei Generationen nicht ablegen lassen.

Hochmut kommt vor dem Fall.

Inzwischen sind weitere dreißig Jahre verstrichen, eine Galgenfrist, die nicht genutzt wurde. Gruhl war bewusst, dass warnende Stimmen als Panikmache und Weltuntergangsprophezeiungen abgetan werden und dass auch sein Buch nichts bewirken würde.

Zwar gab es unter dem Eindruck aktueller Katastrophen und Stimmungen hin und wieder Proteste und sogar erratische Entscheidungen, wie etwa die deutsche Entscheidung zum Ausstieg aus Kernkraft und Kohle. Aber der freiwillig geräumte Platz in der globalen Industriegesellschaft wird sofort von anderen „Raubtierrudeln“ eingenommen, denen alle Skrupel fremd sind. Und es wird sich erst noch zeigen, ob der bewusste Verzicht auf technische Möglichkeiten überhaupt dauerhaften Bestand haben wird, da ein einheitliches Bewusstsein nicht verordnet werden kann und Meinungen, Stimmungen, Bewusstsein und Mehrheiten stetem Wandel unterliegen.

Insgesamt haben sich alle lebensfeindlichen Entwicklungen seit 1992 nur beschleunigt, die Risiken für das Überleben auf der Erde werden größer und größer. Die Menschheit steht unverändert vor der Herausforderung, dem Verhängnis seinen Lauf zu lassen oder die eigene Lebensweise freiwillig, sofort und radikal zu ändern.

Herbert Gruhl hatte keine Hoffnung, dass es dem Menschen gelingen könnte, sich freiwillig wieder in die Natur einzufügen und auf friedlichem Wege zu einer genügsamen, bäuerlichen Lebensweise zurückzukehren:

„Fazit: Der Mensch kommt aus der Industriegesellschaft, die eine Gesellschaft zur Bestattung unserer Erde ist, nicht mehr heraus. Er kann nicht einmal die Produktion sinnloser Güter aufgeben. (…) Der Satz vom „ökologischen Umbau der Industriegesellschaft“ ist dummes Geschwätz. Denn das ganze Wesen der Industriegesellschaft besteht darin, dass sie antiökologisch ist. Retten könnte uns nur der „Ausstieg aus der Industriegesellschaft“. Dazu sind aber schon fünfmal zuviel Menschen auf diesem Planeten – und nach einer Generation werden es bereits achtmal zuviel sein! (…) Also werden alle Völker lieber weiter an ihrer Selbstvernichtung arbeiten, und ihre Regierungen werden sie dabei anleiten – ungeachtet dessen, dass sie damit nur eine geringe Galgenfrist gewinnen.“*

Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die eskalierenden Entwicklungen im 21. Jahrhundert in globalen Krisen und Konflikten kulminieren. Wir können nur hoffen, dass der leichtsinnigen Menschheit das Spielglück noch eine Weile hold bleiben möge – damit rechnen können wir nicht. Noch weniger sollten wir uns darauf verlassen, dass alle Wölfe über Nacht zu Lämmern und alle Menschen schlagartig zu friedfertigen Pfarrerstöchtern werden. Wer überleben will, muß vorsorgen – für Bauern ist das seit jeher eine Selbstverständlichkeit. Bäuerliches Denken hat Zukunft.

Bäuerliche Landwirtschaft ist eine Lebensversicherung für alle.

Die Behandlung der Landwirtschaft in fast allen Ländern der Welt ist allein schon Selbstmordpolitik! Welches Tier würde nicht zu allererst an seine Nahrung denken? Aber die Lebensgrundlagen interessieren offenbar nicht! Alles Interesse gehört neuen technischen Spitzenleistungen, die … mit Milliarden aus den Staatshaushalten hochgepäppelt werden.“*

*Alle Zitate aus „Himmelfahrt ins Nichts“, Herbert Gruhl 1992

Zuerst unter der Überwschrift „Überleben ist alles“ erschienen, mit freundlicher Genehmigung entnommen: https://bauernbefreiung.eu/2020/01/18/ueberleben-ist-alles/

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