Bewahren nicht plündern

Jahrestagung der Herbert-Gruhl-Gesellschaft mit Preisverleihung an den ehemaligen Präsidenten des Umweltbundesamtes Andreas Troge

Die nach einem der großen Umweltschutzpioniere benannte Herbert-Gruhl-Gesellschaft tagte am Wochenende vom 9. bis 11. September in Jena zum Thema „Bewahren, nicht plündern! Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. In diesem Rahmen erhielt zunächst der von 1995 bis 2009 amtierende Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, den alle zwei Jahre zu vergebenden Herbert-Gruhl-Preis.

In der Laudatio wies der Vorsitzende der Gesellschaft, Volker Kempf, darauf hin, Gruhl habe 1974 an einem Gesetz für das damals noch einzurichtende Umweltbundesamt mitgewirkt und im Namen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Zustimmung erklärt. Die von Troge geleistete Arbeit habe den hohen Ansprüchen, die Gruhl damals im Blick gehabt habe, „sehr vorbildlich“ entsprochen. Dies gelte etwa für den Anspruch, umfassend die Öffentlichkeit in allen Umweltbelangen zu informieren, wenn man die jährlichen Berichte und die Pressearbeit betrachte. Den Ausschlag für die Preisvergabe habe aber eine 2008 vom Umweltbundesamt vorgelegte Arbeit gegeben, die aufzeige, wie bis zu 42 Milliarden Euro „Umweltschädliche Subventionen in Deutschland“ abgebaut werden könnten. Das habe den Nerv dessen getroffen, was schon Herbert Gruhl 1975 in seinem Bestseller „Ein Planet wird geplündert“ als „staatlich subventionierte Plünderungswirtschaft“ scharf kritisierte. Bei Fragen nach den auch indirekten Subventionen anzusetzen sei mutig, weil damit verschiedene Interessengruppen getroffen würden. Das liege auch quer zum „Ressortegoismus“ in der Politik. Troge bedankte sich für den Preis, der aus einer goldenen Brosche in Gestalt eines Erdpanoramas besteht. Er wies darauf hin, daß schon in den 1970er Jahren international gewichtige Studien wie „Global 2000“ vorgelegt worden seien, aber wenig davon sich im politischen Handeln wiederfinde. Auf nationaler und europäischer Ebene sei der Flächenverbrauch allen Verlautbarungen und Versprechen zum Trotz sogar noch intensiver geworden. Gruhl und Troge waren beide in der CDU umweltengagiert, beide verließen sie die Partei letztlich aus Enttäuschung.

Am folgenden Tag begründete der Gesellschaftsvorsitzende in seinem Themenbeitrag zur gegenwärtigen Zeitgeschichtsschreibung der Gründungsphase der Partei „Die Grünen“ seine Kritik, in ihr würden tendenziöse Darstellungen des siegreich hervorgegangenen linken Flügels dominieren. Er fand dagegen anerkennende Worte für eine Freiburger Theatergruppe, die die Geschichte der Partei in dem Stück „Die Grünen. Eine Erfolgsgeschichte“ ausschließlich mit Originalzitaten inszenierte und damit weit objektiver darzustellen vermocht habe. Es folgte vom Mitweltethiker Peter H. Arras ein Vortrag zu möglichen technischen Innovationen im Ernährungssektor und einer des Soziologen Walter Weiherer zu Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklungen und deren Bedeutung für die Lebensqualität. Zuletzt sprach am Sonntag der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Strahlenschutzexperte Sebastian Pflugbeil zum Thema „Wir haben es satt mit der DDR-light“. Pflugbeil erinnert sich zunächst daran, wie er 1989 einfach so getan habe, als gäbe es keine Diktatur, um zentrale Mißstände in der DDR zu Papier zu bringen. Dieses Papier habe sich im Schneeballsystem verbreitet und mit folgendem Satz begonnen: „Die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft ist offensichtlich gestört“. Das sei damals vom Neuen Forum getragen worden, habe die SED-Funktionäre irritiert und die Verhältnisse letztlich zum Einsturz gebracht. Ein Vergleich zwischen der DDR und der heutigen Bundesrepublik Deutschland zeige, daß der Satz von damals auch heute Gültigkeit beanspruchen dürfe. Das könne an vielen Punkten konkret festgemacht werden. Das könne man auch aussprechen, würde aber anders als damals in einem riesigen medialen Stimmengewirr untergehen. „Durch Masse von Unsinn wird verhindert, daß gescheite Sachen durchkommen“, so Pflugbeil wörtlich. An den Universitäten würde zu wenig reflektiert, Studenten zu sehr nur vor sich „hintrotten“. So empfahl Pflugbeil bis auf weiteres Stéphane Hessels Büchlein mit dem Titel „Empört Euch!“ zur Lektüre. (Eigener Bericht)

Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V., Rosenweg 4, 30627 Hannover; Tel.: 0174/7860666; eMail: webmaster@herbert-gruhl.de; (www.herbert-gruhl.de) HGG-Bankverbindung: Stadtsparkasse Hannover, KTO 225983, BLZ 25050180

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