Mitteilungen 2003

Pressemitteilung der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. vom 20.07.2003

Zukunftsfähig zu wirtschaften heißt: Energieverbrauch muß stetig abnehmen

Kaum ist der Koalitionsfriede in Nordrhein-Westfalen zwischen SPD und Grüne insbesondere mit dem Abschied von den Metrorapid-Plänen wieder hergestellt, macht Energieminister Horstmann (SPD) einen Vorstoß ins Sommerloch – gegen das bündnisgrüne „Lieblingskind“ Neubau eines Gaskraftwerkes. Die Rheinische Post meldet am 19. Juli 2003:

„Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) hatte von einem Brief des Energieministers Horstmann (SPD) an den Direktor des 500-Millionen-Euro-Investment, Matthew Brett, erfahren. Darin beharrt Horstmann darauf, dass das Kraftwerk für steuerliche Subventionierung einen Wirkungsgrad von 57,5 Prozent schaffen müsse, und zwar: ‘tatsächlich …’. (…) Zudem läßt der SPD-Minister in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, durchblicken, dass das Gaskraftwerk gar nicht gebraucht werde: ‘Zur Zeit können wir allerdings noch von einem ausreichenden Leistungsangebot des bestehenden Kraftwerkparks ausgehen.’”

Da die Bevölkerung Deutschlands nach Berechnungen des Statistischen Bundsamtes trotz eines Zuwanderungssaldos von 200.000 Menschen jährlich (was schon nicht wenig ist), bis 2013 nur noch um 500.000 Menschen zunehmen wird und die Wirtschaft nicht ewig expandieren kann, kann es sinnvoll auch nicht um zusätzliche Energieproduktionsstätten gehen. Vielleicht nimmt die Bevölkerung sogar gar nicht mehr zu (im ersten Quartal 2003 blieb sie konstant), wie die Rheinische Post dann auch immer wieder die Bevölkerungsabnahme im Ruhrgebiet thematisierte. Des weiteren ist aus ökonomischer Sicht empfehlenswert, Einsparungspotentiale im Energiebereich auszuschöpfen, hier also Schwerpunkte zu setzen. Nicht das „Wie“ in der Energieproduktion ist die Schlüsselfrage, sondern das „Wieviel“. „Der Energieverbrauch überhaupt muß kontinuierlich abnehmen, soll ‘grün’, also zukunftsfähig gewirtschaftet werden“, erklärt der Umweltsoziologe und Vizevorsitzende der Herbert-Gruhl-Gesellschaft, Volker Kempf. Statt dessen wird aber um das „Wie“ gestritten. Damit bleibt es bei dem, was äHerbert-Gruhl-Preistrger Professor Friedhelm Farthmann (SPD) bereits am 27. Mai diesen Jahres im Deutschlandfunk erklärt hat: „Rot-grüne NRW-Koalition ist ein ’ständiger Krampf’“. Auf die Frage hin, ob Herr Steinbrück die Brocken hinwerfen und eine andere Koalition suchen soll, Erklärt Farthmann: „Das kann ich nicht beurteilen. Das habe ich ja auch nicht mehr zu beurteilen, weil ich in keinem Parteigremium mehr aktiv tätig bin.“ Aber er hat eine Sicht der Dinge:

„Ja, eine Sicht habe ich schon. Sie drängt sich in der Tat auf, wenn man die Vergangenheit dieser Koalition betrachtet: Über die ganzen Jahre hin ist es ja ständig ein Hängen und Würgen gewesen. Das ist ja keine Koalition, von der Zuversicht ausgeht. Ich muss auch sagen, ich wundere mich eigentlich darüber, dass immer gefragt wird: Wo sind denn die Anlässe dafür? Der Anlass muss doch sein, dass eine Koalition Erfolg haben will und Erfolg ausstrahlt. Davon ist nun wirklich keine Rede. Bei jedem neuen Anlass kommen ja immer wieder die alten Themen hoch. Es gibt eben im Grunde von Anfang an in dieser Koalition diametrale Gegensätze auf wichtigen landespolitischen Sektoren, insbesondere auf denen der Verkehrspolitik und der Energiepolitik. Auch jetzt dieser relativ belanglose Streit um dieses Gaskraftwerk ist letzten Endes wieder ein Nadelstich im Hinblick auf Garzweiler.“

Gez. V. Kempf

Mehr zum Thema: Naturkonservativ heute. Jahrbuch 2003 der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e. V; darin insbes.: Binswanger, Hans Christoph: üNachhaltiger Ressourcenhaushalt. Umrisse eines zielfhrenden Nachhaltigkeitskonzepts im Energiebereich
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Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V.
Rosenweg 4, 30627 Hannover
www.herbert-gruhl.de

Presseerklärung zum 10. Jahrestag des Todes von Herbert Gruhl am 26.06.2003 / Brevier erschienen

„Ein ökologischer Mahner von bedrückender Wahrhaftigkeit“

Glücklich werden die sein, die den Worten der Toten Gehör schenken, gute Werke lesen und beachten“: Dieses Zitat von Leonardo da Vinci regte Dr. Herbert Gruhl zu dem Titel seines 1984 erschienen Lesebuches über „Zeugnisse ökologischer Weltsicht aus vierJahrtausenden“ an. Anläßlich des 10. Todestages des konservativen Ökologen, Philosophen und Schriftstellers am 26. Juni 2003 sind es seine Werke selbst, die zu lesen und zu beachten sich gebietet, gehören sie doch ohne Zweifel zu den Zeugnissen zeitloser Weitsicht und bedrückender Wahrhaftigkeit.

„Dieses Datum ist für uns ein Grund, dieses großen Ökologen und ernsten Mahners zu gedenken. In die Erinnerungen mischt sich dabei immer wieder auch das Bewusstsein, wie recht Herbert Gruhl doch mit seinen politischen Prophezeiungen hatte, namentlich mit Blick auf kommende Konflikte um die letzten Ressourcen der Erde, wie wir es kürzlich im Irak erleben mussten“, erklärte Heinz-Siegfried Strelow, Vorsitzender der Herbert-Gruhl-Gesellschaft zum 10.Todestag Gruhls. Der Umweltpolitiker hatte schon vor über zwei Jahrzehnten mit großem Nachdruck darauf hingewies, dass die Kriege der Zukunft Kriege um die Energievorräte und Bodenschätze geführt werden. Denn wo Wirtschaft und Bevölkerung wachsen, werden ihre Grundlagen um so rascher aufgebraucht.

Die 1999 gegründete und in Hannover ansässige Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. nimmt den Jahrestag zugleich zum Anlaß, ein Kleines Herbert-Gruhl-Brevierherauszugeben, in dem wichtige Schlüsseltexte aus seinen Büchern und Reden sowie Auszüge aus Pressestimmen zu seinem Tode zusammengefasst sind. Sie möchte damit Gruhls Hauptwerke in Erinnerung rufen, die mittlerweile im Buchhandel vergriffen sind. (Das Schriftstück ist bei der Gesellschaft gegen 2,00 Euro in Briefmarken erhältlich).

Zur Vita Gruhls:

Herbert Gruhl wurde1921 als Sohn einer alteingesessenen Bauernfamilie in Gnaschwitz in der Lausitz geboren. Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung und dem Militärdienst studierte der junge Gruhl an der Humboldt-Universität Berlin Geschichte,Philosophie sowie Germanistik und promovierte mit einer Arbeit über Hugo v. Hofmannsthal. 1969 wurde er für die CDU in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er bis 1980 angehörte. Hier zeigte er sich rasch als prinzipientreuer und geradliniger Experte für das gerade erst aufkommende Thema Umweltschutz. Bis1977 wirkte er als Leiter des Arbeitskreises für Umweltvorsorge in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Große öffentliche Bekanntheit erlangte er 1975 durch sein Buch „Ein Planet wird geplündert“, das sich rasch zum Bestseller und Standardwerk der politischen Ökologie entwickelte. Differenzen mit der Wirtschafts- und Atompolitik der Union führten1978 zum Austritt aus der Partei.
Herbert Gruhl beteiligte sich an den Gründungsvorbereitungen der Grünen und war bei der Europawahl 1979 gemeinsam mit Petra Kelly deren Spitzenkandidat. Als sich die Grünen 1981 für linksextreme K-Gruppen öffneten, verließ der wertkonservative Politiker auch diese Partei. Die von ihm 1982 gegründete Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) leitete er bis 1989; danach zog er sich aus der Parteipolitik zurück. 1992 veröffentlichte Gruhl sein Spätwerk „Himmelfahrt ins Nichts“, eine schonungslose Bilanz, in der er die irreversible Zerstörung der Erde durch eine vom Wachstums- und Fortschrittswahn besessene Menschheit aufzeigt. Herbert Gruhl starb am 26. Juni 1993 an einem Krebsleiden in Regensburg.

Heinz-Siegfried Strelow
(Bundesvorsitzender der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V.)

Erste Sätze aus den Hauptwerken von Herbert Gruhl:

“Die Bewohner dieser unserer Erde werden in den nächsten Jahrzehnten gewaltige Veränderungen erleben – und nicht nur die, welche in den letzten Jahrzehnen überall vorausgesagt worden sind.” (Ein Planet wid geplündert, 1975)

“In meinem ersten Buch habe ich versucht, die Welt darzustellen, wie sie ist, nicht wie sie den herrschenen Vorstellungen zufolge sein sollte. In diesem Buch versuche ich darüber hinaus das Wesen des Menschen in seiner Umwelt zu ergründen – ebenfalls wie es ist, nicht wie es viele gerne hätten.” (Das irdische Gleichgewicht, 1982)

“Das große Thema vom Aufstieg und Untergang der Kulturen steht aus dringendem Anlaß erneut auf der Tagesordnung – und diesmal für die Erde insgesamt, erweitert um das Entstehen und Vergehen der Lebewesen überhaupt.” (Himmelfahrt ins Nichts , 1992)

Dr. Herbert Gruhl starb wenige Tage nach einer Magenoperation an den Folgen eines Schlaganfalls am 26. Juni 1993 in der Regensburger Universitätsklinik.

Christa Meves: Ad memoriam Herbert Gruhl

Beide waren sie besorgt um die Folgen der neuen Künstlichkeit: die Psychotherapeutin Christa Meves um das seelische Wohl der Kinder, der Landwirtsohn Herbert Gruhl um das biologische Wohl der Lebenswelt. Beide Erfolgsautoren fanden sich zusammen und verfaßten 1978 das üGrne Manifest. Anläßlich des 10. Todestages von Herbert Gruhl am 26.06.2003 hat Christa Meves erneut zur Feder gegriffen. Im 2003 erschienenen Jahrbuch Naturkonservativheute (S. 99-101) schreibt Meves darüber, warum das Grüne Manifest heute aktueller denn je ist, aber auch, daß sich das konservative Lager aus Mangel an Courage nicht genug hinter Herbert Gruhl stellte und eine historische Chance verstreichen ließ.

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Stimmen zum Tode Herbert Gruhls.

Alexander Tollmann in „Neue Argumente. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Nein zur Atomenergie“, Nr. 57, Sept. 1993, S. 8

Ich hatte das Glück, Herbert Gruhl seit der Zeit des österreichischen Antiatomkampfes persönlich zu kennen, lernte ihn bei zahlreichen Begegnungen anlässlich seiner Einsätze in Österreich für eine lebenswerte Welt näher kennen und seine subtile Bildung, seine Liebe zu dieser Welt und seinen Mut zum Kampf für ihre Erhaltung gegen den Unverstand des Menschen schätzen und bewundern.

(…)

Das letzte, 1992 erschienene Buch, das zu vollenden Gruhl noch gegönnt war, ist wahrhaftig Höhepunkt und Abschluß seines Schaffens. Doch nur wenige werden dieses prophetische Werk, das zutiefst Recht hat, gebührend schätzen, da es zwar wissenschaftlich exakt fundiert, aber schonungslos und leidenschaftlich „den geplünderten Planet vor dem Ende“ zeigt, wie der Untertitel lautet. Das Buch ist gerade wegen seiner Überzeugungskraft schwer zu verkraften: Es ist ein erschütterndes Dokument für die vom Menschen selbst bereitete „Endzeit“, die heute jeder auch nur halbwegs weltoffene Mensch zu begreifen beginnt. Gruhl blieb es erspart, das was nun mit Rasanz auf uns zukommt, selbst bis zum bitteren Ende mitzuerleben, obwohl er es in seinem Geist bereits wiederholt zutiefst durchlitten hat.

Wir alle, die wir Gruhl persönlich oder aus seinen so engagierten Schriften kennen, verabschieden uns in Ehrfurcht von einem großen Menschen, einem vorbildlichen und mutigen Humanisten, wie sie unsere Zeit so dringend brauchen würde.

Natur und Landschaft, 7/8/93

Vor ihm hatte wohl nur der abgeordnete Wilhelm Wetekamp aus Breslau in einem deutschen Parlament so eindringlich auf die zunehmenden Schäden in der Natur hingewiesen. Das war 1898 im preußischen Abgeordnetenhaus. Eine weite politische Ausstrahlung hatte sein Engagement kaum. Bei Herbert Gruhl war es anders. Als er für die CDU 1969 in den Bundestag einzog, tauchten gerade die Begriffe Ökologie und Umweltschutz zögernd erstmals in Deutschlands Zeitungen auf. Herbert Gruhl wurde einer der ersten deutschen Politiker, der Umweltschutz und Umweltpolitik in ihrer wahren Tragweite erkannte und öffentlich so darstellte.

(…)

Herbert Gruhl war trotz (oder wegen) solcher Misserfolge ein erster politischer Hoffnungsträger für den Natur- und Umweltschutz nach vielen Jahrzehnten politischer Lethargie des nur von wenigen getragenen Kampfes gegen Natur- und Landschaftszerstörung. Er gehörte zu den Allerersten, die sich als Politiker des Natur- und Umweltschutzes annahmen und deutlich machten, wie wichtig und ernst ihnen dieses Anliegen war. Dadurch vermittelte er vor allem Engagement und ungeschminkte politische Glaubwürdigkeit und nahm für seine Sache Unannehmlichkeiten und Karriereabbruch in Kauf, blieb ihr aber treu. Für jüngere Nachwuchspolitiker (auch im linken Lager) wurde er darum zum Vorbild. Er war Wegbereiter der politisch organisierten „ökologischen Bewegung“.

Für sein konsequentest Eintreten, seinen Mut, sein aktives Engagement und vor allem für seine politische Glaubwürdigkeit im Einsatz für Natur- und Umweltschutz, für sein offenes Flaggezeigen, gebührt ihm Anerkennung und Dank. Wenn auch nicht in seiner persönlichen Karriere, aber in dem öffentlichen Anliegen, das er an prominenter Stelle vertrat, war er erfolgreicher, als es den Anschein hatte und in den Nachrufen zum Ausdruck gebracht wurde.

NATUR 8/93 (Autor Christian Schütz)

Gruhls abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit war Ausdruck seiner Enttäuschung darüber, dass sich die Menschen von ihm abwandten, während ganz offensichtlich die Wirklichkeit ihm recht gab.

Er hatte einmal mit großem Elan und Zuspruch begonnen. In der ersten großen Bundestagsdebatte zum Umweltschutz im Jahr 1970 überragte der kaum bekannte Vorsitzende einer „Arbeitsgruppe für Umweltvorsorge“ in der Unionsfraktion mit Sachkenntnis und Problembewusstsein die noch recht konventionellen anderen Redner. Vor allem beeindruckte er durch seine Leidenschaft und die Schärfe der Anklage gegen die herkömmliche Wirtschaftspolitik. Nur Narren glauben an immerwährendes Wachstum lautete, wenn auch nicht so schroff formuliert, seine Botschaft.

Die Führung von Partei und Fraktion begriff sofort, dass hier einer sprach, der es mit konservativer, nämlich bewahrender Gesinnung und evangelisch-christlicher Weltverantwortung ernst nahm. Gruhl wurde zur Bürde für die Union. Auf der Rednerliste wurde er so platziert, dass er nur spät nachts vor leerem Bundestag sprach.

Braunschweiger Zeitung, 29.06.:

Man kann auch ehrenvoll scheitern. Herbert Gruhl, der jetzt gestorbene Vorkämpfer für die Umwelt, hat in der Politik den Erfolg verfehlt, doch hat er Zeichen gesetzt. Eigentlich hätte er als Konservativer – lateinisch für „Bewahrer“ – in der Union reüssieren müssen. Doch die Partei, damals gerade in die Opposition geraten, hatte zunächst andere Sorgen. (…) Gruhl näherte sich dann den Grünen. Doch hier landete er als Bewahrer wiederum am falschen Ort. Denn die Grünen warnen und sind nur unter anderem eine Umweltschutzbewegung, in der Hauptsache Protestpartei gegen das Establishment. Sie marschieren bewusst links und wurden gerade in ihren ersten Jahren zielstrebig von Linken einschließlich Kommunisten unterwandert, die richtig kalkulierten, dass sich unter grünem Etikett mehr bewirken ließ als unter den alten roten Kampftruppennummern DKP und KBW. Sie graulten den weißen Raben Gruhl alsbald hinaus.

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Weitere Pressestimmen erhalten Sie zusammen mit einem kleinen Herbert Gruhl Brevier gegen 2,00 Euro in Briefmarken:

Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V., Rosenweg 4, 30627 Hannover

 

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In memoriam Konrad Buchwald

Nachruf auf einen Grande der Umweltbewegung

Konrad Buchwald zählte zu den großen alten Männern des Naturschutzes und der Ökologiebewegung in Deutschland. Für ihn, der von 1932 bis 1937 Botanik, Zoologie, Geologie und Geographie in Heidelberg studierte, bildeten Naturverbundenheit und berufliche sowie gesellschaftliche Betätigung stets eine Einheit. In den 1950er Jahren wirkte er als Landesbeauftragter für Naturschutz im baden-württembergischen Kultusministerium und hatte maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der „Grünen Charta von der Mainau“, einem der wichtigsten Dokumente der Heimatpflege und des Naturschutzes in der Nachkriegsära. 1960 wurde er zum ordentlichen Professor und Direktor des Instituts für Landschaftspflege und Naturschutz an der Universität Hannover berufen.

Seine große Fachkenntnis war auch ein Grund, weshalb er von 1970-1977 in den Sachverständigenrat für Umweltfragen bei der Bundesregierung berufen wurde. Im Bund für Natur-und Umweltschutz (BUND), der 1975 auf Initiative seiner Weggefährten Herbert Gruhl und Hubert Weinzierl gegründet wurde, bekleidete Buchwald über lange Jahre hinweg das Amt des niedersächsischen Landes- und stellvertretenden Bundesvorsitzenden.

Die Verbundenheit zu Herbert Gruhl war auch der Grund, dass Konrad Buchwald sich 1984 dessen Ökologisch-Demokratischer Partei (ÖDP) anschloß, in der er 1986-1988 das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden bekleidete. Bei der niedersächsischen Landtagswahl 1986, als die ÖDP ein regionales Wahlbündnis mit ehemaligen Mitgliedern der Grünen Liste Umweltschutz (GLU) und der Niedersächsischen Landespartei (NLP) sowie unabhängigen Wählergemeinschaften unter dem Namen „Die Weißen“ initiierte, wurde Buchwald zu dessen Spitzenkandidaten nominiert. In Loyalität zu Gruhl verließ er 1990 mit diesem die ÖDP.

Schier unübersehbar ist die Zahl seiner Publikationen. Gemeinsam mit Wolfgang Engelhardt gab er seit 1968 das „Handbuch für Landschaftspflege und Naturschutz“ heraus, außerdem war er Mitherausgeber der Zeitschriften „Beiträge zur Landespflege“ und „Landschaft und Stadt“. Am bekanntesten wurde das 1990 veröffentlichte Buch „Nordsee – ein Lebensraum ohne Zukunft?“, mit dem Buchwald eine wissenschaftlich präzise Darstellung der Umweltbedrohung eines sensiblen Ökosystems vorlegte.

Sein letztes Lebensjahr verbrachte der Emeritus in Flensburg. Am 9. März hat er im Alter von 89 Jahren für immer seine Augen geschlossen. Die Ökologiebewegung und namentlich die Freunde in der Herbert-Gruhl-Gesellschaft werden sich seiner in Dankbarkeit erinnern.

Heinz-Siegfried Strelow