Konrad Adam: Historischen Fehler Helmut Kohls korrigieren

Konrad Adam Historischen Fehler Helmut Kohls korrigierenZum Thema „Die Grenzen der Machbarkeit“ veranstaltete die Herbert-Gruhl-Gesellschaft in Barsinghausen, dem einstigen Wohnsitz von Herbert Gruhl, ihre diesjährige Herbsttagung. Der Vorsitzende der Herber-Gruhl-Gesellschaft, Volker Kempf, stellte den etwa 50 Zuhörern den 1993 im Alter von 71 Jahren verstorbenen Herbert Gruhl als Barsinghäuser CDU-Kommunalpolitiker vor. Dieser sei in den 1960er Jahren bereits mit den Folgen des Bevölkerungswachstums in Barsinghausen von damals 14.000 auf 20.000 Einwohner befaßt gewesen, mit Müllproblemen und dem schwieriger werdenden Erhalt des Naherholungsraumes Wald.

Nach der Wahl zum Bundestagsabgeordneten 1969 sei Gruhl zum profilierten Umweltpolitiker der CDU aufgestiegen. Sein 1975 vorgelegtes Buch „Ein Planet wird geplündert – Die Schreckensbilanz unserer Politik“ habe eine Beachtung gefunden vergleichbar des Bestsellererfolges von Thilo Sarrazin und der Wachstumsdebatte im deutschsprachigen Raum eine besondere Intensität gegeben. Gruhl sei Ende der 1970er Jahre zur zentralen Figur der sich formierenden Ökologiebewegung geworden und habe sich bis zu seinem Tod 1993 der Schriftstellerei gewidmet.

Der anschließende Referent, der Publizist und AfD-Bundessprecher Konrad Adam, strich in seinem Vortrag „Die Naturwissenschaft und die Utopie der unbegrenzten Machbarkeit“ zunächst heraus, es sei ein großer historischer Fehler Helmut Kohls gewesen, Herbert Gruhl aus der CDU zu drängen. Die mit Unterstützung Gruhls erfolgte Gründung der Partei der Grünen sei damit zwangsläufig gewesen, aber auch der Einfluss linksradikaler Strömungen auf diese Partei. Die Beziehung zur Natur sei hier recht abstrakt. „Das ökologische Anliegen ist bei den Konservativen besser aufgehoben“, unterstrich Adam. Adam machte auch deutlich, mit der AfD diesen „historischen Fehler korrigieren“ zu wollen. Nicht alles, was durch die Naturwissenschaften machbar sei müsse auch realisiert werden. Er bezog sich dabei sowohl auf die Gentechnik als auch auf ihm fragwürdig erscheinende technische Großprojekte. Verantwortungsbewußtsein und skeptisches Denken strich Adam als unerläßlich heraus, um der „Utopie der Machbarkeit“ und blindem Fortschrittsglauben Grenzen zu setzen.

Weitere Themen waren auf der Wochenendtagung die schweizerische ECOPOP-Initiative zur Begrenzung des Bevölkerungswachstums in der Schweiz, welche ECOPOP-Vorsitzender Benno Büeler vorstellte. Die politische Ökologie des – wie Herbert Gruhl 1921 geborenen – Carl Amerys wurde von Dr. Gätz Fenske aufgegriffen und Amerys Essay “Erleben wir Wirklichkeit!” von 1999 diskutiert. Der unterschätzte Unsicherheitsfaktor in der Ökonomie war ebenso Thema wie abschliessend die „Glaubensgemeinschaft der Soziologen“, in der Vertreter mit fundierten ökologischen Überlegungen bestenfalls ein „diffuses Wohlwollen“ (Amery) erwarten dürfen. Eine Exkursion führte in die Tiefen des Industriezeitalters, in einen Kohlebergwerksstollen in Barsinghausen.

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