Klarstellung

3. HGG-Mitteilung vom 29.7.2007

Über die ökologische Relevanz der Bevölkerungsentwicklung wird oft falsch berichtet. Eine Klarstellung

Wissenschaftler betonen in jüngster Zeit wieder häufiger die Bedeutung der Bevölkerungsentwicklung für die anthropogene Belastung von Ökosystemen und des Weltklimas. Journalisten tun sich mit dieser Problematik oft schwer. So titelt SPIEGEL ONLINE am 24.07.2007: “Weniger Menschen: Geburtenkontrolle soll Klimawandel stoppen. Werdet einige Milliarden Menschen los, beschränkt die Geburtenrate: Das fordert ein britischer Forscher, um die globale Erwärmung zu bremsen. Doch sein Lösungsvorschlag entpuppt sich als klassische Milchmädchen-Rechnung.)” Gewiß, immer mehr PS unter der Motorhaube haben zu wollen bedeutet mehr Energieverschwendung und mehr Kohlendioxydausstoß. Hier müßte im Interesse des Klimaschutzes angesetzt werden, meint SPIEGEL-ONLINE. Richtig. Aber ebenso haben Rapley und die Wissenschaftsorganisation OPT völlig recht, daß die absolute Bevölkerungszahl eine ökologisch relevante Größe darstellt. Auch die Bevölkerungsdichte Deutschlands übersteigt ja die Grenzen der ökologischen Dauertragfähigkeit bei weitem, selbst wenn alle am Existenzminimum leben würden! Für eine optimale Ökobilanz müßte an beiden Schrauben gedreht werden: an den überhöhten Bevölkerungszahlen und Vermehrungsraten sowie den überhöhten materiellen Ansprüchen. Das betrifft dann alle Kontinente der Erde.
China hat die USA beim Kohlendioxydausstoß fast schon überholt, obwohl der Lebensstandard dort weit geringer ist als in den USA. Woher kann das nur kommen? Die Anlagen sind dort veraltet, ein hoher technischer „Nachholbedarf“ wird geltend gemacht. Gut und richtig. Aber entscheidend ist eben auch, dass China über viermal so viele Einwohner hat wie die USA. Reichen die Mathematik-Kenntnisse des “Spiegel” aus, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen? Gandhi hat 1928 gesagt: „Gott verhüte, dass Indien jemals zu einer Industrialisierung nach dem Muster des Westens schreitet. … Falls eine ganze Nation mit 300 Millionen Einwohnern auf eine ähnliche ökonomische Ausbeutung setzt, würde die Welt kahlgefressen …“, also der Planet Erde geplündert werden. Gandhi hat damals die beiden entscheidenden Schadgrößen klar gesehen; der Spiegel kann das heute offenbar nicht.
Ergo: Wir müssen weg von unserer verschwenderischen Protzerei und unseren überhöhten Bevölkerungszahlen, anderswo muss man weg von den überhöhten Vermehrungsraten; das Bestreben, uns die Vergeudung nachzumachen, ist den Schwellenländern moralisch nicht abzusprechen, in ihrer ökologischen Konsequenz aber zu sehen. Gerade weil anderen Völkern nicht abgesprochen werden kann, das zu tun, was wir tun, nämlich zivilisatorisch gut zu leben, ist eine Eingrenzung der Bevölkerungsvermehrung um so bedeutsamer. Wir brauchen viele Maßnahmen; der vom SPIEGEL genannte Abschied von der PS-Protzerei ist keineswegs die EINZIG nötige. Da produziert der Spiegel genau das, was er selber als „Milchmädchenrechnung“ bezeichnet. Wer ständig von einem EINZIGEN Ausweg redet, hat oft keinen Platz mehr für den Gedanken, was AUCH (oft sogar vorrangig) nötig ist. Was sagt ein Wissenschaftler, der differenzierte Berechnungen in den Medien derart süffisant behandelt sieht? Die HGG fragte den mit der Ökosystemanalyse vertrauten Mathematikprofessor Dr. Dietrich Schwägerl. Antwort: “Entstellende Berechnungen war ich [Schwägerl] von ideologisch fixierten Demagogen (aus Politik, Wirtschaft etc.) bis zum Überdruss gewohnt; es ist das genaue Gegenteil von objektiv richtiger Sachinformation auf der Basis der Fakten.”
(Volker Kempf, HGG-Vorsitzender)