Hans Christoph Binswanger (1929 – 2018)

Hans Christoph Binswanger ist am 18. Januar 2018 verstorben. Die Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. verliert damit ihren langjährigen Ehrenvorsitzenden, vor allem aber einen beeindruckenden Menschen von außerordentlicher geistiger Souveränität und menschlicher Wärme.

Der Schweizer Ökonom Binswanger war ein Vorreiter einer Theorie des wirtschaftlichen Wachstums, in der „Fortschritt und Raubbau“ als komplementäre Erscheinungen problematisiert werden. Bei der Analyse blieb der ehemalige Kommunalpolitiker Binswanger nicht stehen, er fragte immer wieder auch in praktischer Absicht nach der Möglichkeit von Optimierungen.

Mit Herbert Gruhls Überlegungen gab es große Übereinstimmungen, wie beide Anfang der 1970er Jahre feststellten. Nun mußte keiner von beiden mehr alleine weise sein, wie Binswanger sich – in Anspielung an einen Aphorismus von La Rochefoucauld im Jahrbuch 2003 der Herbert-Gruhl-Gesellschaft – erinnerte.

Beiden, Binswanger und Gruhl, war auch eigen, sich sehr stark mit Goethe auseinandergesetzt zu haben. Binswangers Hauptwerk ist das vor einigen Jahren publizierte Buch „Die Wachstumsspirale“. Während im wachstumsskeptischen Diskurs verschiedene Strömungen sich herausbildeten, blieb Binswanger Adam Smith und dem Ordoliberalismus stets verbunden.  Binswanger suchte die Wirklichkeit und sah diese als Herausforderung an. Sein letztes Buch trägt den Titel „Die Wirklichkeit als Herausforderung„.

Binswangers Hinterlassenschaft gilt es in Ehren zu halten, sie bleibt als geistige Nahrung für wachstumsskeptische Überlegungen unentbehrlich.

(Volker Kempf )

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.