Familienplanung

Familienplanung auch der Umwelt wegen

Eine regionale Naturschutzgruppe in Altötting versuchte das Instrumentarium einer Podiumsdiskussion zu nutzen, um auf ein wichtiges ökologisches Thema aufmerksam zu machen: den Zusammenhang von Bevölkerungswachstum und Verdrängung von natürlichen Lebensräumen. Die seitens der UNFPA als unterstützenswert ausgegebene Familienplanung erscheint unter Beachtung dieses Zusammenhangs nur um so wichtiger, wird aber noch immer stiefmütterlich behandelt. Denn die seitens der UNO im Rahmen von Entwicklungshilfe vorgesehenen Mittel werden international zusammengekürzt, weshalb Millionen von Menschen keine Familienplanung betreiben können, obwohl sice wollen.

Im Vorfeld der Podiumsdiskussion wurden die Parteien angeschrieben sich zum Thema zu äußern. Die Antworten fielen wenig aussagekräftig aus, die Grünen antworteten auch nach wiederholter Aufforderungen nicht. Nun konnten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, Wahlkreisvertreter der jeweiligen etablierten Parteien, in einen Konsens einstimmen, dieses Thema innerparteilich weiter voranzubringen. Was folgt aber daraus, wenn Wahlkreisvertreter einer Partei bei einer Podiumsdiskussion zum Thema X sagen, sich dafür in ihrer Partei stark machen zu wollen? Eine Antwort gibt Franz Vonessen in seinem Buch Die Herrschaft des Leviathans, wenn er schreibt, Politiker können sich mit dem Anschein von Macht schmücken, aber ansonsten seien sie recht ohnmächtig. Die letzte Landtagswahl, die am 27. März in Baden-Württemberg stattfand, gibt dafür wieder reichlich Anschauungsmaterial ab. So mag der CDU-Direktbewerber im Wahlkreis Breisgau sich auf die Seite von Bürgerinitiativen gegen den Abbau von Kies im Rheinwald schlagen, zu melden hat er nichts. Die Landes-CDU verfolgt ihren Kurs unausweichlich, allenfalls ein Wechels der Regierung kann da etwas ändern, aber selbst das erscheitn im konkreten Fall noch fraglich. Politiker sind also vor allem Rädchen im Politikbetrieb.

Aber nicht nur die LAndtagsparteien, auch die in Bayern außerparlamentarische Größe ÖDP wurde angeschrieben, ebenfalls zum Thema Stellung zu nehmen. In Gestalt ihres damals scheidenden Bundesvorsitzenden Klaus Buchner war die Antwort sogar recht zustimmend zu den Forderungen jener Naturschutzgruppe. Doch gibt es Anlaß zur Skepsis. Denn gerade die bayerische ÖDP hatte das von Herbert Gruhl einst eingebrahcte Thema über die Jahre auf den Nullpunkt zurückzufahren. Ob das richtig war, müßte hier erst einmal hinterfragt und dann eine Korrektur vollzogen werden. Davon ist bisher aber noch nichts zu hören.

Man kann auch weiterfragen, warum die Unterstützung von Familienplanung international ins Stocken geraten ist. Die USA wird hier oft genannt. Sie war mit einzelnen Punkten der Art der Familienplanungsmaßnahmen nicht einverstnden. In einzelnen Punkten wird man streiten können, wie Familenplanung unterstützenswert erscheint, aber darüber sollte nicht das sprichwörtliche Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden. Kurzum: Es ist gar nicht so einfach, Bewegung in eine Sache zu bekommen, die sich über mehrere Jahre festgefahren hat. Aber immerhin, das Thema kommt mit Podiumsdiskussion wie jener in Altötting überhaupt erst einmal wieder auf die Tagesordnung und damit ins öffentliche Bewußtsein. Das ist nicht noch keine Wende, aber die Voraussetzung dafür, einen wichtigen problemorientierten Ansatz weiterzuverfolgen.

(V. Kempf, 27.4.2011)