Ein Gespenst kehrt zurück: die Ökodiktatur

Die Zukunftsaussichten auf der Erde sind für den Menschen und seine Zivilisation nicht vielversprechend. Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung überfordern die Ökosysteme und erschöpfen die Ressourcen in vielen Bereichen. Joergen Randers, Koautor der Studie „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972, zeichnete 2012 unter dem Titel „2052” und dem Untertitel “Eine globale Prognose für die nächsten vierzig Jahre“ entsprechende Szenarien. Das vielversprechendste Szenario lautet für Randers auf eine “starke Regierung“, woraus Journalisten die Forderung von einem „guten Diktator“ gemacht hätten. Was genau meint Randers also? Die Wochenzeitung Junge Freiheit fragte in ihrer Ausgabe vom 15. November in einem Interview nach. Antwort:

„Die Natur des Menschen ist auf Kurzfristigkeit konzentriert, und auch Gesellschaft und Politik sind so strukturiert. Die Lösung der Klimafrage aber bedarf langfristiger Maßnahmen. Diese aber sind auf kurze Frist notwendigerweise unpopulär, weil sie zunächst nur Kosten verursachen, während ihre Vorteile sich erst viel später zeigen. Also dürfen Entscheidungen in diesem speziellen Feld nicht kurzfristigen Zwängen, etwa in Gestalt von Wählern mit einem kurzfristigen Horizont, unterworfen werden.“

Wenn die Wähler demnach nicht langfristig orientiert entscheiden, dann muß etwas anderes als ein demokratisch gewähltes Parlament eine Entscheidung für die Zukunft fällen, so die Logik Randers’. Denn nur so könnten „die Interessen unserer Kinder und Kindeskinder zu berücksichtigen“ sein.

Betrachtet man diese Überlegungen im deutschsprachigen Raum, so kommen sie einem vor wie von gestern; alles schon einmal da gewesen. Herbert Gruhl hatte 1975 in „Ein Planet wird geplündert“ gesehen, dass auf demokratischem Weg das Verhängnis auf Erden für den Menschen wohl nicht aufzuhalten sein wird. Doch sind andere Wege besser und wünschenswerter? Gruhl hatte in Deutschland zunächst eine „braune“, dann eine „rote“ Diktatur erlebt und betrachtete nun eine „grüne“ mit vielleicht etwas menschlicherem Antlitz mit um so größerer Skepsis. Es waren andere, die von einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz träumten und das auch nur verklausuliert forderten. Das Umweltthema kam da einigen gerade gelegen. Die Nachteile einer Diktatur konnten allerdings im real existierenden Sozialismus studiert werden, der letztlich im Kampf der Systeme auch ökologisch scheiterte. Man mag einwenden, eine „grüne“ Diktatur gab es noch nie. Aber befohlener Verzicht, um den es in einer “grünen” Diktatur gehen müßte, den gab es immer wieder, in Kriegen. Wer will Verzicht für einen vorgeblich fernen guten Zweck durchsetzen? Das muß „scheitern“, das ist „weder wünschenswert, noch realisierbar“, so Gruhl noch einmal 1992 in “Himmelfahrt ins Nichts” seine Erkenntnisse von 1975 zusammenfassend.

Randers bietet noch eine bemerkenswerte Poiente auf, um seine Position zu rechtfertigen. Denn die Abschaffung der Demokratie sei doch gar nicht so ungewöhnlich, das würden wir in “Europa doch mitunter schon längst so“ machen. Beruhigend wirkt diese Argumentation nicht. Im Gegenteil, wenn wir uns nach Randers’ Einschätzung schon auf dem Weg zur Erfüllung seiner Visionen begeben haben, sollte das zum Nachdenken anregen. Randers Vision orientiert sich eigenen Angaben zufolge an der Antike, in der es einen „Diktator auf Zeit“ gegeben habe.

Randers gehört zu denen, die den Ernst der Lage begriffen haben. Die angezeigten Wege aus der Gefahr wirken dagegen wenig durchdacht. Daher spricht aus Randers’ Worten auch erkennbar der Mut zur Verzweiflung. Er gelangt zu Positionen, wie sie Herbert Gruhl in „Ein Planet wird geplündert“ nicht teilte und für ethisch problematisch hielt. Gelassenheit lautet das Gebot der Stunde. An besonnenem Handeln führt kein Weg vorbei.

(V. Kempf, 18.11.2013)

 

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