Die Schweiz entscheidet über ECOPOP-Initiative

Die Schweiz entscheidet über ECOPOP-InitiativeDie schweizerische ECOPOP-Initiative „Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen“ steht am 30. November 2014 zur Volksabstimmung. Das Ziel der Initiative ist eine Beschränkung des Bevölkerungswachstums in der Schweiz von derzeit 1,3 Prozent auf 0,2 Prozent. Letzterer Wert entspricht dem Bevölkerungswachstum in Deutschland in 2013. 1,3 Prozent oder 0,2 Prozent Bevölkerungswachstum klingt nach nicht viel. Doch geht es dabei für die Schweiz um die Frage, bis 2050 neun Millionen oder 12 Millionen Einwohner zu haben bzw. in 52 Jahren eine Verdopplung auf 16 Millionen. Zieht man Gewässer und das Hochgebirge ab, lautet das Szenario auf eine Bevölkerungsdichte, welche diejenige der Niederlande übertreffen würde. Ein naturreiches, naturnahes Land ist das dann nicht mehr. Der ökologische Fußabdruck der Schweiz gilt sogar jetzt schon als vier Mal zu hoch und allein durch Lebensstiländerungen nicht mehr signifikant zu verändern.

Die Forderung der ECOPOP ist in der Stoßrichtung eindeutig ökologisch, absolut noch immer ein Kompromiß. Denn ein Land mit ökologischem Fußabdruck um Faktor vier erhöht müßte eigentlich ein negatives Bevölkerungswachstum aufweisen um auf ein ökologisch zukunftsfähiges Maß zu kommen. ECOPOP fordert aber nicht nur das Bevölkerungswachstum in der Schweiz zumindest zu begrenzen, sondern darüber hinaus die Bemühungen der Schweiz zu intensivieren, die von der UNO geforderte Unterstützung freiwilliger Familienplanung global zu stärken. Dies ist auch dringend notwendig, denn laut UNFPA haben derzeit rund 200 Millionen Paare weltweit keinen Zugang zu antikonzeptionellen Mitteln. Die Folge sind jährlich 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften und 46 Millionen Schwangerschaftsabbrüche. Wenn die Gesamtfruchtbarkeitsrate in Niger bei 7,6 Kinder pro Frau liegt und in Zaire bei 6,6, so kann sich ein solches Land bis 2050 auch nicht entwickeln und Armut überwinden. Zaire würde bis 2050 seine Bevölkerung von 71 Millionen auf 193,6 Millionen erhöhen. Wer wollte solche Bevölkerungswachstumsprobleme in der Schweiz oder in einem anderen europäischen Land angehen wollen durch Zuwanderung? Das wäre kein zukunftsfähiges Konzept. Verantwortungsvoll handeln heißt, international zu handeln und Länder zu unterstützen, die Unterstützung brauchen.

0,2 Prozent Bevölkerungswachstum für die Schweiz ist ein moderates Ziel. Das hinderte viele nicht daran, die Ökofaschismuskeule zu schwingen, auch in deutschen Medien. Letzteres ist besonders perfide, denn ein Land mit der Vergangenheit Deutschlands schwingt die Faschismuskeule gegen schweizerische Vertreter einer zugelassenen schweizerischen Volksabstimmungsinitiative. Daniel Vischer schrieb schon am 29. Januar 2013 in der Basler Zeitung, der „Ökofaschismusdiskurs über die ECOPOP-Initiative liegt schief“. Richtig ist, dass ökologischen Argumenten kaum noch Gewicht beigemessen wird und dann auch eine einfache Formel zu rein analytischen Zwecken selten von Kritikern der Initiative nachvollzogen wird, aus Unfähigkeit oder aus Mangel an Diskursfähigkeit. Mögen die Schweizer Bürger in aller Ruhe entscheiden und sich von künstlicher Aufregung nicht leiten lassen.

Homepage ECOPOP: www.ecopop.ch

(VK/GF, 27.11.2014)

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