Eine besinnliche Weihnachtszeit!

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Also bekommen die Liebsten, die eigenen Kinder vor allem, die sich darüber immer so herrlich freuen, Geschenke. Der Psychoanalytiker Erich Fromm (geb. 1900, gest. 1980) strich 1956 in „Die Kunst des Liebens“ heraus, ein Geschenk kann ein kurzer Stimmungsaufheller sein, wenn es an wahrer Liebe mangelt. Im Idealfall sollte ein Geschenk Ausdruck von Respekt und Wertschätzung sein. Die Beschleunigung der Zeit lässt Momente der Empathie und Innigkeit hingegen oft beiläufig werden. Eine besinnliche Zeit tut da Not, um sich auf das zu besinnen, worauf es ankommt.

Liebe ist etwas, das über alles hinausgeht, was käuflich ist. Das hatte vor Fromm schon Georg Simmel in seiner „Philosophie des Geldes“ (1900) herausgestrichen: mit Geld kann man alles kaufen, aber nicht das, was das menschliche Leben  ausmacht, Transzendenz. Diese gehört zur Liebe dazu.

Fromm war ein Denker des Überflusszeitalters, in dem sich die Frage nach dem „Haben oder Sein“ (1976) aufdrängt. Die Generationen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten noch den Kontrast zum Überfluss kennen gelernt, die Kriegszeiten. Bei den Liebsten zu sein war in Kriegszeiten das Höchste, etwa für einen Soldaten. Ob das Hab und Gut noch für Geschenke reichte, war da nebensächlich.

Kürzlich kam eine Fernsehsendung über deutsche Soldaten, die Stalingrad überlebt hatten. Ein Soldat kam nach Jahren der Gefangenschaft aus Sibirien frei, hatte seinen christlichen Glauben verloren und zum Sozialismus gefunden. Die Mutter, eine strenggläubige Katholikin, meinte in einem Antwortbrief an ihren Sohn, es wäre ihr angesichts dieses Gesinnungswandels lieber gewesen, er wäre in Sibirien geblieben. Ist das nicht traurig, ist das nicht ein Abfall von Nächstenliebe? Ist dafür Jesus am Kreuz gestorben, mag man da am liebsten zurückfragen.

Herbert Gruhl hatte einmal – wohl für seine Autobiografie „Überleben ist alles“ – über eine Kriegsweihnacht geschrieben, die Konrad-Adenauer-Stiftung dies leider etwas lieblos aus dem Nachlass aussortiert. Wer weiß heute noch, worauf es an Weihnachten ankommt? Eine besinnliche Zeit ist gerade im Überfluss wichtig. Frohe und besinnliche Weihnachten auch allen Kulturchristen!

Volker Kempf, Vors. der Herbert-Gruhl-Gesellschaft

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Auf Erich Fromm brachte mich wieder einmal ein Feuilleton-Beitrag „Was wir heute noch von der Kunst des Liebens lernen können„, von Klaus Leisinger, in: Badische Zeitung, 22. Dezember 2017.

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