Bernd Lucke über Herbert Gruhl und berechtigte Kritik an der CDU

kath.net: Gab es nicht schon vor dem ESM-Vertrag eine berechtigte Kritik am Kurs der Christdemokraten?

Bernd Lucke: Leider viel zu wenig. Helmut Kohl hat die vollmundige Ankündigung einer geistig-moralischen Wende nie eingelöst. Doch kaum jemand hat dieses Manko zum Anlass genommen, ihn dafür zu kritisieren. Dabei hätte man Anfang der 80er Jahre dem schleichenden Werteverfall sicher noch relativ effektiv entgegentreten können. Was hat Helmut Kohl eigentlich gehindert, eine ordentliche Familienpolitik zu machen?

Warum konnte er Schulen und Universitäten nicht zurück zu den Qualitäten führen, die sie vor 1968 hatten? Wie konnte er es zulassen, dass das berechtigte Anliegen des Umweltschutzes eine Symbiose mit linker Ideologie einging, obwohl er eine Partei führte, die sich als bewahrend, als konservativ verstand? Und unter Frau Merkel wurde es noch schlimmer. Aus wahltaktischen Gründen sozialdemokratisierte sie die Union immer mehr und nur sehr wenige haben dagegen aufbegehrt. Außer Herbert Gruhl in den 70ern und Werner Münch vor einigen Jahren ist kaum ein prominenter Christdemokrat aus Protest aus der CDU ausgetreten.

Die Familien-Partei erhielt ebenso wie die ÖDP bei der EU-Wahl einen Sitz. Zählt man christliche und konservative Kleinparteien dazu, gab es rund 700.000 Bundesbürger, die eigentlich die AfD hätten wählen können. Haben Sie dieses Klientel zu wenig bedient? Bernd Lucke: Gut möglich. Auch wir sind nur Menschen und wir schaffen einfach nicht alles, was sinnvoll wäre. Vergessen Sie nicht, dass wir noch immer weit überwiegend nur von ehrenamtlichem Engagement getragen werden.

Das vollständige Interview vom 30.7.2014 unter: (http://www.kath.net/news/46900)

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